Sind Soft Skills wichtiger als Fachkenntnisse?
Wenn es um die Priorisierung von Kenntnissen geht, taucht immer wieder die Frage auf: Welche Fähigkeiten geben den Ausschlag über Erfolg und Misserfolg bei einer Bewerbung und im Rahmen eines späteren Arbeitsverhältnisses?
Die National Soft Skills Association verweist an dieser Stelle auf eine bereits über 100 Jahre alte Studie “A Study of Engineering Education” der US-Eliteuniversitäten Harvard und Stanford. Die Erhebung, die sich mit dem Nachwuchs im Ingenieurwesen beschäftigt, ergab bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts, dass 85 % des beruflichen Erfolgs auf gut entwickelten Soft Skills und sozialen Kompetenzen beruhen. Nur 15% basieren demzufolge auf technischen Fähigkeiten und Kenntnissen, sogenannten Hard Skills. Dennoch fließen paradoxerweise noch heute rund 75% der Unternehmensgelder in die Förderung von Hard Skills.
Wichtige Soft Skills 2025
Doch auf welche persönlichen und sozialen Kompetenzen legen Unternehmen aktuell besonders Wert, wenn sie ein Anforderungsprofil erstellen? Die Studie “Skills on the Rise 2025” des Karriere-Netzwerks LinkedIn kommt zu einem klaren Ergebnis. Demzufolge zählen Konfliktmanagement und Anpassungsfähigkeit in unserer hochdynamischen Lebens- und Arbeitswelt zu den wichtigsten Soft Skills.
Dazu kommentieren die Autoren der Studie: “Ob es um die Vor- und Nachteile von Zurück-ins-Büro-Richtlinien oder die Leitung von generationenübergreifenden Teams geht – Konfliktbewältigung am Arbeitsplatz ist entscheidend für die Förderung der Zusammenarbeit und das Führen agiler Teams.” Zum Thema Anpassungsfähigkeit erläutern die Autoren in ihrer Begründung, dass angesichts des rasanten Wandels am Arbeitsplatz kontinuierliches Lernen und Belastbarkeit ein wichtiger Erfolgsschlüssel seien.
Welchen Stellenwert haben Soft Skills im Bereich Personalentwicklung?
Aus Unternehmenssicht ist es sinnvoll, im Rahmen der Personalentwicklung gezielt in die Soft Skills von Mitarbeitern zu investieren. Schließlich ist ein gutes und offenes Miteinander eine wichtige Grundvoraussetzung dafür, dass Prozesse reibungslos funktionieren und gemeinsame Ziele erreicht werden.
Viele Unternehmen setzen in diesem Zusammenhang auf Team-Building-Maßnahmen wie Kurztrips und Veranstaltungen. Dabei lösen die Mitarbeiter gemeinsam Aufgaben und stellen ihre sozialen und methodischen Kompetenzen unter Beweis. Auch andere Aspekte wie Spaß und geselliges Miteinander kommen dabei meist nicht zu kurz.
Soft Skills sind für Bewerbungen und den beruflichen Erfolg unverzichtbar
Egal, ob sich jemand klassisch oder durch eine Initiativbewerbung bei einem Unternehmen bewirbt: Die Skills, die aus den Unterlagen hervorgehen und im persönlichen Gespräch sowie während eines Assessment Centers überzeugen, sind wichtig. Sie vermitteln Unternehmen einen ersten Eindruck darüber, was für ein Mensch sich hinter der Bewerbung verbirgt.
Vor allem geben sie Aufschluss darüber, ob Bewerber und Rollenbeschreibung zueinander passen. Auch im Rahmen der Personalentwicklung ist es wichtig, dass Unternehmen die Soft Skills ihrer Mitarbeiter im Blick haben und in diesen Bereich investieren ‒ beispielsweise durch Workshops, Teambuilding-Maßnahmen und regelmäßige Mitarbeiterbefragungen.
HR-Manager und Soft Skills: Wichtige Kernkompetenzen
Für HR-Manager sind Soft Skills aus zwei Perspektiven essenziell: Einerseits bewerten sie die sozialen Kompetenzen von Bewerbern, andererseits benötigen sie selbst ausgeprägte Soft Skills, um ihre vielfältigen Aufgaben zu meistern. Im Recruiting-Prozess sind beispielsweise Empathie und Kommunikationsstärke gefragt, um Kandidaten einzuschätzen und einen Cultural Fit zu erkennen.
Gleichzeitig erfordert ihre Rolle Konfliktlösungsfähigkeit, Diskretion und Problemlösungsstärke, etwa bei der Moderation von Meinungsverschiedenheiten oder dem Umgang mit sensiblen Themen. HR-Manager agieren somit nicht nur als Talentscouts, sondern auch als strategische Partner, die durch ihre Soft Skills eine wertschätzende Unternehmenskultur fördern.